Alle zwei Jahre führen wir eine Befragung unter österreichischen Journalisten durch. Dieses Mal wollten wir wissen, wie die Digitalisierung auf die journalistische Arbeitsweise Einfluss nimmt. Und wir wagen einen Blick in die Zukunft.

Die Digitalisierung verändert die Kommunikation ganz generell und im Besonderen die Zusammenarbeit von PR-Agenturen und Medien. Deswegen widmeten wir die Journalistenumfrage 2017 dem Megatrend Digitalisierung. Wir wagen einen Blick in die Zukunft und zeigen uns optimistisch: Der persönlichen Kommunikation kommt mehr Bedeutung zu.

Da es bereits zahlreiche Studien rund um das gut erforschte Wesen Journalist gibt, haben wir einige Ergebnisse als Basis unserer Fragestellungen genommen.

Mit einem im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestrafften Fragebogen ausgestattet, wollten wir wissen, wie die Journalisten zu Presseaussendungen, analogen Pressematerialien, Influencern und zu Infografiken stehen.

Wen haben wir befragt? Befragt haben wir österreichische Journalisten – bunt gemischt aus den Redaktionen von Tageszeitungen, Monatsmagazinen oder Fachmagazinen. Der Rücklauf war – in Zusammenhang mit senft & partner wenig überraschend – sehr b2b-lastig. Jeder zweite der Interviewten ist über 45 Jahre alt. 73 % haben einen Hochschulabschluss.

Print is dead. Totgesagte leben länger?

2017 feiert die Presseaussendung ihren 110. Geburtstag. Die erste Pressemitteilung beinhaltete die Eröffnung der Pennsylvania Railway Station und erschien in der New York Times. Die Ergebnisse von Prof. Dr. Sievert bestätigen unsere Ergebnisse: Eine klare Mehrheit befindet Presseaussendungen als wichtiges Kommunikationsmittel.

Beim PRVA Business Breakfast im Frühling 2017 wurde eine Studie von futureexploration.net präsentiert, die das Ende der gedruckten Tageszeitungen in den jeweiligen Ländern prognostiziert: Für Österreich wurde das Jahr 2028 berechnet. Die Vorstellung, dass die letzte Print-Tageszeitung erscheint, hat uns neugierig gemacht, wie unsere Journalisten das sehen. Auch hier sind die Ergebnisse eindeutig, aber dennoch interessant: 80 % sagen, dass diese Prognose übertrieben ist. Jedoch fast jeder Vierte meint, es sei realistisch!

Der Druck steigt.

Der Zeitdruck für Journalisten wächst. Das bestätigen unter anderem die Ergebnisse einer Umfrage von marketagent.com. Hier sagen 89 % der befragten Journalisten, dass der Zeitdruck größer geworden sei.

Das schlägt sich auch auf die Recherchegewohnheiten der Journalisten nieder. Laut der Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2016 ist das Internet die Recherchequelle Nummer 1. Pressematerialien sind auf Platz 4 der wichtigsten journalistischen Recherchemethoden gerutscht. Doch der Großteil bestätigt, dass auch das persönliche Gespräch eine wesentliche Infoquelle sei. Bei Pressegesprächen oder Einzelinterviews werden auch analoge Kommunikationsmittel besonders gerne genutzt. Unsere Umfrageergebnisse zeigen, dass aufgrund der Digitalisierung der Wunsch nach persönlichem Kontakt zunimmt. Dafür müssen wir uns Zeit nehmen!

Des Weiteren kommt dazu, dass die Redaktionen von Print und Online zusammenwachsen. Auch das ändert die Arbeitsweise von Journalisten. Unsere Auswertung der wertvollen qualitativen Antworten ergibt, dass Inhalte wichtiger denn je sind, um glaubwürdig Botschaften auf unterschiedlichen Kanälen zu transportieren.

Die bunte Welt der Bilder.

Es gibt viele Umfragen, wie Journalisten Bildmaterial zur Verfügung gestellt werden soll. Wir haben nachgefragt: Konkret wollten wir auf Fotos von Bildagenturen wie iStock oder Shutterstock eingehen, da diese in Medien immer häufiger vorkommen. Unsere Umfrage ergibt, dass sogar jeder zweite der Befragten Agenturbilder für die Berichterstattung verwendet.

Infografiken zeigen auf einen Blick viel Information. Laut der Ergebnisse einer Umfrage des ECCO PR Agenturnetzwerks mag jeder fünfte Journalist Infografiken. Wir wollten wissen: Was bedeutet „mögen“? Heißt das auch, dass sie Infografiken veröffentlichen oder nutzen sie diese für die Recherche?

50 Prozent nutzen häufig eine Infografik. Fragt man nach dem Grund, dann ist das Ergebnis ziemlich eindeutig: 2 von 3 Journalisten verwenden Infografiken aufgrund des informativen Inhaltes. Nur 10 % überzeugt ein attraktives Design. Jeder Zweite gibt an, dass er aus Zeitmangel Infografiken von Unternehmen bzw. PR-Agenturen verwendet.

Der Einfluss der Influencer.

Abschließend wollten wir das Verhältnis von Influencern wie Blogger oder YouTuber zu klassischen Journalisten hinterfragen. Hier haben wir eine Umfrage von PR-Trendmonitor 2016 herangezogen. PR-Profis wurden gefragt, wer für sie die wichtigsten Meinungsführer sind: Und es sind eindeutig die Journalisten (75 %)! Sie rangieren vor Kunden (68 %) und den eigenen Mitarbeitern (46 %) und haben gegenüber Social-Media-Akteuren deutlich die Nase vorn. Und wie sieht es mit der zunehmenden Konkurrenz aus? Unser Ergebnis zeigt, dass 70 % Influencer nicht als Bedrohung empfinden.

Zuletzt wollten wir wissen, ob unsere Journalisten einen Zusammenhang zwischen Fake News und der Digitalisierung sehen: 70 % sagen, die Digitalisierung trägt dazu bei.

Das sind unsere Learnings:

  1. Die Presseaussendung lebt! Journalisten nutzen Pressemitteilungen. In der alten Form ist sie in die Jahre gekommen. Schon jetzt nutzen wir die moderne Presseaussendung.
  2. Das Internet ist Recherchequelle 1. Dicht gefolgt von persönlichen Gesprächen. Der persönliche Kontakt ist in Zeiten der Digitalisierung besonders wichtig! Dafür müssen wir uns Zeit nehmen.
  3. Pressematerialien bleiben in analoger Form wichtig (v.a. bei Pressekonferenzen, Einzelgesprächen). Online darf nicht überschätzt werden!
  4. Bei Infografiken zählt vor allem die inhaltliche Qualität – sie werden auch gerne für Recherchezwecke verwendet.
  5. Die Hälfte der Befragten lehnt Bilder von Bildagenturen ab. Unternehmensbilder werden von Journalisten gerne und oft verwendet. Diese Chance sollten wir nutzen.

Fotocredit: iStock/Pinkypills