Qualität zu messen und zu bewerten ist notwendig – aber schwierig. Dessen war sich auch schon Stefan Russ-Mohl, ein bekannter Medienwissenschaftler an der Freien Universität in Berlin, bewusst. Er konstatierte, dass das Messen von Qualität im Journalismus so schwierig sei, wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Grundsätzlich geht es bei Qualität um das Wahren und Sicherstellen von Leistung, die dem Kunden Sicherheit geben soll.

Sowohl in der Berufswelt als auch im privaten Umfeld beschäftigen wir uns zwangsläufig mit Begriffen wie ISO-Zertifizierung und Normprüfungen – besonders bei der Anschaffung neuer Produkte. Das unternehmerische Qualitätsverständnis geht über diese produktspezifischen Anforderungen allerdings weit hinaus. Natürlich müssen grundlegende Ausrichtungen des Unternehmens auf Kundenwünsche und Kundenzufriedenheit abgestimmt werden, jedoch ist das nicht das alleinige Kriterium. Unternehmensinterne Abläufe zu optimieren und für eine effiziente und angemessene Arbeitsweise zu sorgen, ist das oberste Ziel des Qualitätsmanagementsystems.

Qualitätsoffensive für die PR

Die Arbeitsweise in PR-Agenturen hat unterschiedlichste Formen und Qualitäten. Um die „Spreu vom Weizen“ zu trennen, forciert der PRQA mit dem PR-Gütezeichen eine Qualitätsoffensive für die heimische PR. Die Grundlagen bilden ethische und inhaltliche Voraussetzungen und decken Bereiche wie Unternehmensplanung und -entwicklung sowie das oft vernachlässigte Personalmanagement ab. Als Träger des PR-Gütezeichens setzen wir als PR-Agentur ein klares Zeichen, unterwerfen uns strengen Kriterien und heben damit das Niveau in Bezug auf Qualität und Ethik in der PR. Umso mehr freut es mich, dass ich eine der ersten sieben zertifizierten PR-Qualitätsmanagerinnen in Österreich bin und bereits über meine Erfahrungen berichten kann. Zu Beginn des Jahres fand der erste diesbezügliche dreitägige Lehrgang statt.

Aller Anfang ist schwer

Welche Charaktereigenschaften man für die Position als PR-Qualitätsmanager im Unternehmen mitbringen muss, hat unsere Ausbilderin ganz schnell und schonungslos auf den Punkt gebracht: „Sie müssen durchsetzungsstark, hartnäckig und genau sein und einfühlsam auf Ihre Kollegen zugehen. Oftmals gibt es innerbetrieblich Gegenwind und Kollegen sehen Ihre Aufgabenzuweisung als unnötig und nervig. Dem müssen Sie mit stichhaltigen Argumenten entgegenwirken und klar und deutlich formulieren, worum es bei der Umsetzung eines QMS im Unternehmen geht und warum es so wichtig ist.“ Ziel ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) – beginnend mit einem „schlanken“ System, das über die Zeit wächst. In einem anfänglichen demokratischen Prozess gilt es, Normpunkte zu erarbeiten und alle involvierten Mitarbeiter von Beginn an miteinzubeziehen.

Die Frage ist nun: Wie kann ich Qualität im PR-Beruf sicherstellen?

Durch Standardisierungen von Prozessabläufen, durch das Erstellen von Checklisten und dem Niederschreiben von wiederkehrenden Aufgaben sorgen wir für Transparenz, um Abläufe für andere nachvollziehbar und durchführbar zu machen. Weitere wesentliche Faktoren sind: den Geschäftserfolg planen, stetig überwachen und evaluieren mithilfe von motivierten, ausgebildeten Mitarbeitern, deren stetige Weiterentwicklung, aktives Auditmanagement und laufend verbesserte Prozesse.

Jeder hat was davon

Nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ sollte man von Beginn an den kontinuierlichen Verbesserungsprozess vor Augen haben. Jedes Sheet, jede Checkliste und jeder Ablaufplan soll einen Benefit für das Unternehmen bzw. für die Kollegen, die damit arbeiten, darstellen. Nichts ist sinnloser, als aufwendig erstellte Formulare, die nie zum Einsatz kommen, weil sie zu kompliziert oder inpraktikabel sind. Jeder Konzern, jede Kommunikationsabteilung, jede Agentur, jedes EPU muss für sich selbst entscheiden, welche Prozesse standardisiert werden und welche eben nicht. Die 10 Prozess-Gebote Mit dieser kleinen „Bet-Tafel“ erkennt man mit einem Blick das Wesen des QMS:

  1. Du sollst den Prozess als wiederkehrenden, systematischen Ablauf darstellen.
  2. Du sollst ein klares Ziel haben, dieses messen und Wert daraus schöpfen.
  3. Du sollt die Geschäftsleitung ins Boot holen.
  4. Du sollst gemeinsam mit dem Team arbeiten und einen Prozess-Owner ernennen.
  5. Du sollt Mut zur Lücke haben (und dennoch Prioritäten setzen).
  6. Du sollst darüber reden und Verbindlichkeiten vorstellen.
  7. Du sollst nicht ruhen und dich kontinuierlich verbessern.
  8. Du sollst es zur Nachvollziehbarkeit aufschreiben.
  9. Du sollst dem ÖPR Leitfaden folgen.
  10. Du sollst alle zwei Jahre deinem Auditor „beichten“ 😉

Im kommenden Juni geht übrigens die Qualitätsoffensive in die nächste Runde: http://www.prquality.at/qualitaetsmanager/ausbildung.html