Unsere Helden von heute und gestern© Gabriele Diwald
Unsere Helden von heute und gestern © Gabriele Diwald

Wie postulierte Hans Hölzel alias Falco gesellschaftskritisch in den 1980ern: „Alles wartet auf die Helden von Heute“. Ja, wo sind sie denn? Unsere Helden, unsere Idole, Leitfiguren, Vorbilder? Menschen mit Tiefgang und Weitsicht, die uns mit ihren wegweisenden Worten nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Handeln bewegen. Meine Generation – medial gerne als Generation Praktikum, Maybe und Y bezeichnet – hat so viele Möglichkeiten, wie noch keine Generation zuvor. Umso orientierungsloser fühlen wir uns oftmals. Gibt es einen einzelnen Menschen, der den Zeitgeist einer so stark fragmentierten Gesellschaft trifft? Brauchen wir in Zeiten wie diesen überhaupt noch mediale Vorbilder?

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin ehrte man bei der „Heroes Gala“ Menschen, die maßgeblich mitgewirkt haben, den kalten Krieg zu beenden. Michail Gorbatschow wurde hier als „Mann des Jahrhunderts“ gefeiert. Durch Perestroika und Glasnost forcierte der heute vom Westen gefeierte Held eine Umgestaltung der Sowjetunion zu einer Demokratisierung des Staates. Meinungs- und Pressefreiheit musste man sich im Russland der 1980er Jahre hart erkämpfen.

Nicht nur politische, auch andere gesellschaftlich relevante Persönlichkeiten, unabhängig davon ob religiös oder kulturell: Wir blicken gerne zu ihnen auf, nutzen sie als Antrieb für unser eigenes Weiterkommen und zur Erreichung unserer „kleinen“ Ziele. Jeder hat einen anderen Anspruch an seinen persönlichen Helden. Das kann beispielsweise ein erfolgreicher Sportler sein oder ein Musiker, der sich auch abseits der Bühne für Menschenrechte einsetzt.
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob Edward Snowden zum Helden taugt oder nicht. Zweifelsfrei hat er große Verdienste erworben und die Wahrheit über die Regierungsmoral der USA ans Tageslicht gebracht.
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob US-Präsident Barack Obama ein Held für die Afro-Amerikanische Bevölkerung in den USA ist. Für viele ist er ein Mentor und wird als eine Art Messias gefeiert. So wie sich auch damals Theodor Herzl für das Judentum stark gemacht hat.
Historische Helden wie Albert Schweitzer und John F. Kennedy sind unter jungen Leuten fast in Vergessenheit geraten. Trotzdem gibt es weiterhin generationsübergreifend hochgeschätzte Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Mahatma Gandhi, den Dalai Lama oder Sophie Scholl. Andere, wie insbesondere Barack Obama, Bill Gates oder auch Michael Schumacher und Che Guevara werden von jungen Menschen deutlich häufiger als Vorbilder genannt als von Älteren.

Was haben sie alle gemeinsam? Meiner persönlichen Meinung nach sind es diese drei Kriterien, um ein Held zu sein: Mut, Charisma und ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Mitmenschen. Ich finde, ein Held ist erst dann ein Held, wenn er beständig als solcher wahrgenommen wird. Gerade in Zeiten wie heute werden Menschen schnell hoch gefeiert, aber auch schnell wieder fallen gelassen. Beständigkeit, Charakterfestigkeit und Rückgrat sind hier der Schlüssel.

Daneben gibt es noch unsere Alltagheroisten, denen wir täglich begegnen. Sei es ein Fremder in der U-Bahn, der uns durch eine kleine menschliche Handlung bewegt oder sei es unser Partner, der uns nach so vielen Jahren immer wieder aufs Neue beeindruckt oder seien es unsere Eltern, denen wir es zu verdanken haben, hier zu stehen, wo wir heute sind.

Das Leben ist schön, aber nicht immer eine Blumenwiese. Meine Eltern aus der Baby Boomer-Generation oder der Vierteltelefon-Generation können sich noch ganz genau erinnern, wer sie in ihrem Leben geprägt hat. Vielleicht dauert es manchmal eine Zeit, um festzustellen, wer denn nun sein Held ist. Susanne Senft erzählt in ihrem Blog-Beitrag über ihr Erlebnis mit Erwin Ringel in den 1980er Jahren. Mit einem für sie unvergesslichen Satz hat er sie geprägt: „Springen Sie, wo immer Sie können, über Ihren Schatten.“ Kluge Worte eines weisen Mannes, die man als inspirierend und motivierend zugleich sehen kann.

Die Welt ist bereit, um den neuen Helden eine Bühne zu geben.

Weiterführende Links:

http://www.sonnenseite.com/Spiritualitaet,Albert+Schweitzer+ist+auch+heute+fuer+sehr+viele+Menschen+Vorbild,19,a24368.html
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/jugendstudien-die-jugend-von-heute-13241479.html
http://www.welt.de/icon/article133276638/Warum-die-Generation-Y-so-ungluecklich-ist.html