Vor ein paar Wochen ist mir etwas Seltsames passiert. Etwas so Seltsames, dass es mich nach wie vor noch immer irgendwie beschäftigt und ich hier dieses Erlebnis teilen möchte:

Ich hatte eine REALE BEGEGNUNG!

Nix Facebook, Chat, Getwitter oder so – nein ein richtiges Treffen mit einem echten Menschen im wirklichen Leben! Und das war O.K. – oder eigentlich sogar mehr als das: Es war richtig gut! Rausgehen und sich bei traumhaftem Schanigartenwetter unter freiem Himmel mit jemandem zum Mittagessen treffen und sich angeregt unterhalten. Und nicht mit irgendjemandem – nein, mit einem Freund! Einem guten Freund, der ähnliche Interessen und Hobbies hat und von dem man alles weiß oder alles zu wissen glaubt – Facebook, Twitter und Co. sei an dieser Stelle gedankt – obwohl man ihn in echt noch nie getroffen hat. War ja bislang auch nicht notwendig. Schließlich kann man auf so vielfältige Weise kommunizieren, ohne dass man einander gleich irgendwo treffen muss! Ist ja auch ein gehöriger Aufwand, wenn alle Einander-Treffen-Wollenden zur gleichen Zeit am selben Ort auftauchen müssen. Doch wie es der Zufall so will, war das an jenem besagten Tag vor ein paar Wochen nun mal gerade der Fall. Und dank eifrigster Online-Kommunikationsarbeit wussten wir auch davon.

Alles nicht so seltsam, mag man jetzt wohl meinen. Stimmt, kann ich nur sagen! Denn das wirklich Seltsame ist nicht die Tatsache, dass man mit jemandem einfach mal Mittagessen geht, sondern dass der Zufall einem auf die Sprünge helfen muss. Da gibt es einen Menschen, mit dem ich seit fast 15 Jahren immer wieder beruflich zusammenarbeite. Jemand an dessen Hochzeitsfeier ich mich zu erinnern meine – oder zumindest hat mich das Video auf Youtube sehr beeindruckt. Dessen Kinder ich von Babybeinen an namentlich und von Fotos und diversen Videos kenne, der mit mir seine schönsten Urlaubserlebnisse teilt. Von dem ich weiß, wann wo und was er zu Mittag isst – und dank Handy Snapshot ins Netz gestellt, wissen alle seine 422 anderen Freunde ebenso wie ich sogar wie der Teller vor, während und nach der Mahlzeit ausgesehen hat. Und trotzdem bin ich diesem Menschen noch nie in Fleisch und Blut begegnet bzw. ihm an einem Tisch beim Mittagessen gegenüber gesessen. Und das war eine wertvolle Begegnung und eigentlich ist der ja auch in echt, echt nett. Jemand, mit dem man vielleicht sogar im realen Leben befreundet sein könnte?

Das hat mich zum Nachdenken gebracht? Wie viel Privates soll und will ich eigentlich via Social Media teilen? Wen will ich wie weit Einblicke in mein Privatleben gewähren? Wie viele reale Freunde habe ich tatsächlich und wie viele „schaffe“ ich eigentlich? Was, wenn jetzt alle meine „nur“ 189 anderen Freunde auch mit mir Mittagessen gehen wollen? Habe ich so viel Zeit? Kann ich mir so oft Mittagessen im Lokal überhaupt leisten?

Damit jetzt aber keine Missverständnisse entstehen: Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass Social Media seine Berechtigung hat und ein wichtiges Tool in der Kommunikationsarbeit ist! Es ermöglicht den unmittelbaren Gedanken- und Informationsaustausch wie kein anderes Medium. Nutzt man diese Kanäle richtig, kann man eine Vielzahl von Gleich- oder Ähnlichgesinnten erreichen und gemeinsam wirklich etwas bewegen – siehe Obamas ersten Präsidentschaftswahlkampf. Gleichzeitig darf man aber nicht vergessen, wie wichtig in vielen Belangen der persönliche Kontakt ist, das Vier-Augen-Gespräch, indem man die Reaktionen seines Gegenübers unmittelbar und ungefiltert von Tastatur und Bildschirm mitbekommt und ebenso unmittelbar und echt reagieren kann und muss. In jedem Fall habe ich mein reales Zufallszusammentreffen nicht bereut. Ganz im Gegenteil bin ich sogar fest davon überzeugt, dass wir in Zukunft noch besser zusammenarbeiten werden – jetzt da wir nicht nur befreundet sind, sondern uns auch kennen gelernt haben.