Nespresso_1_neu

Vor etwa einer Woche trudelte eine Postsendung vom Koffein-Dealer meines Vertrauens ein. Zwischen Pizzaflyer, Rechnungen und den täglichen bunten Werbeprospekten fischte ich das quadratische Kuvert mit dem braunen „N“-Logo heraus. Was hat man mir mitzuteilen? Vielleicht ein neuer Grand Crus? Die ultimative Kaffee-Kreation? Ist Kazaar zurück? Oder gibt es gar wieder eine neue Limited Collection?

Nein, es erreichte mich diese Botschaft: „Der neue Recycling Bag. Recyceln leicht gemacht“. Ich halte die auf FSC-Papier (also nachhaltig produziert) gedruckte Nachricht in der Hand und lese weiter: „Nespresso legt großen Wert darauf, das Recycling der gebrauchten Kapseln so einfach wie möglich zu gestalten.“ Zugleich erinnerte ich mich an die neue TV-Werbung, die ich kürzlich im Fernsehen gesehen habe… mit lovely George – whoever else? Im Mittelpunkt der aktuellen Werbekampagne steht jedoch das Recyling-Sackerl. Nebenbei wurde ein weiteres Testimonial – kein geringerer als Matt Damon – mit an Bord geholt. Doppelte Männlichkeit soll uns also dazu bewegen, die gebrauchten Alu-Kapseln nicht in den Hausmüll zu werfen: Besser ist es, diese in den braunen Papiersackerln zu sammeln und dann in einer dafür vorgesehenen Stelle abzugeben.

Grünes Gewissen und Greenwashing

Augenscheinlich eine klassische Win-Win-Situation: Der Konsument hat ein reines Gewissen und der Kaffeekapselproduzent erspart sich die aufwändige Herstellung der Alu-Kapseln und kommt seinem Ziel des Nachhaltigkeitsprogramms „Ecolaboration“ einen Schritt näher. Bis 2013 hat man sich vorgenommen, „theoretisch 75 % der verkauften Kapseln wiederzuverwerten“. Nun wird die CSR-Strategie anhand des Austro-Bags fortgeführt. Das ist auch notwendig, denn die Idee von Einzelportionsystemen lebt vom Recyclingverhalten der Konsumenten. Und so wird der künstlich gestaltete Kreislauf nachhaltig am Leben gehalten. „Nachhaltigkeit ist ein furchtbares Wort, aber dafür weiß jeder sofort, worum es geht.“ Ein passendes Zitat, das ich in der Wochenende-Ausgabe der Tageszeitung „Der Standard“ von drei Architektinnen gelesen habe.

Segen für mich. Fluch für dich.

Seit mehr als drei Jahren besitze ich nun diese handliche, stylishe Kaffeemaschine. Sie fügt sich perfekt ins Küchenambiente ein, benötigt wenig Platz und ist einfach zu bedienen: Kaffee-„Geschmack“ nach Farbe auswählen – Kapsel in Automat legen – Knöpfchen drücken – fertig ist das „schwarze Gold“… Und so leise ist sie! Und schnell funktioniert sie. Passt perfekt in den modernen Lifestyle. Wie viel Kaffee werde ich wohl in diesen drei Jahren getrunken haben? Bestimmt über 1.000 Tassen (à 1.000 Kapseln). Oder gar mehr?

Ich geb’s zu, ich habe erst später recherchiert und weiter nachgefragt. Aber seitdem ich weiß, dass der Genuss von Kaffee in Kapselform allein in Deutschland jährlich mindestens 4.000 Tonnen Aluminium- und Plastikabfall verursacht, habe ich umgedacht. Filterkaffee, löslicher Kaffee, Espressomaschine, Vollautomaten – es gibt andere Varianten. Ganz ohne Sackerl. Letztendlich entscheidet ohnehin jeder für sich selbst, welchen Kaffee und warum er ihn trinkt. Aber was sagt Ihr Hausverstand?