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Wenn ich so aus dem Fenster schaue, kommt bei mir ja nicht gerade Sommerstimmung auf. In meinem Facebook Newsfeed sieht es da schon ganz anders aus. Neben ein paar nachvollziehbaren Hasstiraden an Frau Holle gibt es ganz klar einen frühlingshaften Star am Social-Media-Himmel: Das Tschisi.

Für alle, denen der kreativ eingedeutschte Anglizismus nichts sagt – es handelt sich um ein Vanilleeis von Eskimo, das Ende der Neunziger aus den Regalen verschwand und es mithilfe von 85.000(!!!) Likes in die Tiefkühltruhen des mittlerweile in die Teenagerjahre gekommenen, neuen Jahrtausends geschafft hat.

Eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht. Zwei Freunde, eine Wette, sechs Kisten Bier als Einsatz, die Geheimzutat: Kindheit am Stiel mit ein bisschen Bravo-Hits-Nostalgie und ach ja, ein wenig Unterstützung durch Eskimo – das Social-Media-Wunder made in Austria war geboren.

Es ist wirklich  faszinierend, welche Wellen diese Kampagne geschlagen hat. Nach der Tschisi-Release-Party und der offiziellen Einführung des neu ernannten Kultobjekts ging es erst los. Kinder der späten Achtziger und frühen Neunziger dokumentierten die  Tschisi-Erfolgsstory bei jedem Schritt. Weil Teilen mehr draus macht und wir es hier mit sogenannten Digital-Natives zu tun haben, vergeht kaum mehr ein Tag, an dem die Tschisimaus nicht von meinem Bildschirm grinst. Ich traue mich ja fast nicht mehr zuzugeben, dass ich die Neuauflage des Vanillewunders noch immer nicht probiert habe.

Es kommt einem fast so vor, als könnte man sich den Sommer von damals einfach beim Supermarkt kaufen. Auch wenn die Löcher im Eis fehlen und der Sonnenschein und die Unbeschwertheit und Mambo Number 5 nicht mehr alle halbe Stunden im Radio gespielt wird. Aber wer braucht das schon, wenn er sich mit dem Tschisi-Comback wieder in die Neunziger feiern kann?

Lustig eigentlich, dass wir diese Nostalgie auf Social-Media-Kanälen ausleben. Denn als das letzte Tschisieis über die Kassa gezogen wurde, klingelte Mamas Siemens-Handy noch monophon, und wer Pokémon schon auf dem Gameboy Color spielte, galt als eines der coolen Kids.

Was ich mit dieser kleinen Retrospektive sagen will?

Der Erfolg der Tschisi-Kampagne zeigt uns einmal mehr, was Social Media alles können kann. Können kann, weil das Nachmachen wahrscheinlich eine heikle Sache ist.Das Tschisi hat es geschafft, sehr, sehr viele Facebook-User zu begeistern und zu aktivieren. Die Geschichte erzählt sich mit Hilfe von unzähligen Tschisi-Fans quasi von selbst. Auch wenn der Hype nicht ewig halten wird – Vorerst können sich die beiden Freunde und ein paar Strategen von Eskimo zurücklehnen und sich den Erfolg mit Vanillegeschmack auf der Zunge zergehen lassen.