Ich sitze also in meiner Straßenbahn Richtung nach Hause und starre gebannt auf mein Handy – entschuldige, mein Smartphone. Aber das versteht sich ja von selbst.Während ich gerade rätsle, was für eine seltsam aussehende „Köstlichkeit“ meine australische Facebookbekanntschaft da wohl fotografiert hat, sagt die freundliche Stimme der Wiener Linien die nächste Station durch. Bravo! Vor lauter Wundern bin ich doch tatsächlich zu weit gefahren.„Nicht so schlimm oder? Passiert doch jedem mal“, denke ich und frage mich, ob Obamas Töchter wohl auch gerade dabei waren, den hübschen Cupcake der besten Freundin zu liken, während ihr Vater zum Präsidenten der Vereinigten Staaten angelobt wurde. Gibt ja nichts zu verpassen oder?

Aber: Gibt es wirklich nichts zu verpassen?  Ist das nicht irgendwie verkehrt?  Zu wissen, was am anderen Ende der Welt zum Lunch serviert wird, und dabei das, was gerade hier und jetzt passiert, an sich vorbeiziehen zu lassen?

Mit Tablets, Smartphones und Co. steht uns die Welt offen. Wir sind immer und überall von fast jedem erreichbar. Oft erreicht uns aber dabei die eigene Umwelt nicht. Der- oder diejenige neben uns – sei es in der Straßenbahn, am Flughafen, im Urlaub oder in einem Meeting – wird nicht eines Blickes gewürdigt, während wir unsere Blickkontakte an Websites, Facebook-Profile, Apps und Tweets im Minutentakt verschenken.

Klar, soziale Netzwerke und Online-Kommunikation sind wichtig. Nicht nur in unserer Branche, sondern auch im Alltag und zum Pflegen von Kontakten im In- und Ausland. Aber ist nicht die direkte sozusagen analoge Kommunikation, das was eigentlich zählt? Hinterlässt ein schlagfertiger Face-to-Face-Kommentar nicht mehr Eindruck als ein Facebook-Post, bei dem wir vier Mal alles löschen und so lange tippen, bis wir eine geistreiche, witzige Formulierung gefunden haben, die möglichst vielen Bekannten und Unbekannten gefällt? Entgeht uns nicht vielleicht die ein oder andere Information, Anekdote oder ein neuer Kontakt, wenn wir uns zu sehr in unsere Touchscreens vertiefen?

So wichtig und gut neue Medien genutzt werden können und sollen, kann es manchmal gut tun, das smarte Phone auf Pause zu schalten und den Blick ein paar Zentimeter weiter schweifen zu lassen. Ich für meinen Teil, komme so zumindest manchmal schneller ans Ziel.